KÜNSTLER*INNEN

In Our Centers of Existence The Brain – Metatheorie des Erhabenen mind.break.company

Raphael Di Canio Ronja Eickmeier Sarah Frerichs Vivienne Hampf Eva Hegge Marlene Hoor Elena Huber Sascha Klein Lisa James Katarina Kloppe Anja Lomparski Laura Müller Lina Pauli Selina Sandmöller Lara Schäffer Boris Schmitz Jannik Schulz Jakob Sponholz Sophie Steinbach

 

The Brain – Metatheorie des Erhabenen


The Sublime Is Really Now, Rauminstallation, 2016, Carola Beckers, Natascha Brandenburg, Vivien Grabowski, Julia Kohlhaas, Laura Kugel, Kathrin Schnug, Lale Shakiba, Carola Sieburg, Alicia Wolf

Als Kollektiv entwickelten neun Masterstudierende der Studiengänge Kunst und Ästhetische Erziehung das mehrteilige Projekt The Sublime Is Really Now. Es entstand im Anschluss an ein kunsttheoretisch ausgerichtetes Seminar von Prof. Dr. Torsten Meyer, das im Sommersemester 2016 stattfand und ebenso wie die Ausstellung mit SUBLIMA16 betitelt war. Hier nahm die Gruppe historische Perspektiven auf das Erhabene in den Blick und spekulierte über mögliche Erscheinungen desselben in unserer Gegenwart. Die theoretischen Überlegungen haben nun in The Sublime Is Really Now eine visuelle Plattform gefunden.

THE SUBLIME IS REALLY NOW

Die mehrteilige Rauminstallation The Sublime Is Really Now handelt von jenem Gefühl der Überwältigung, das in der ästhetischen Theorie „erhaben“ genannt wird. Dabei birgt der Titel bereits die beiden Blickwinkel, unter denen das Sublime hier erscheint: Pocht die sloganartige Formulierung einerseits auf die Gegenwart des Erhabenen, so nimmt sie gleichzeitig Bezug auf The Sublime is Now, Barnett Newmans prominenten Essay von 1948. Die Rehabilitierung dieses zeitweise eingestaubten Begriffs hat ihrerseits eine lange Tradition.

In Form von Video- und Soundarbeiten inszeniert The Sublime Is Really Now zum einen historische Formulierungen des Erhabenen, die heute zum Kanon der philosophischen Ästhetik zählen. Zum anderen begegnen den Besucher*innen aktuelle Formen und Artikulationen dessen, was Kant, Schiller oder Adorno als das Erhabene zu fassen gesucht haben.

Neben Video- und Audiomaterial umfasst die Installation auch eine diskursiv angelegte Bildsammlung, eine Art visuellen Atlas, der über verschiedene Formationen des Sublimen und deren Darstellung spekuliert. Technik, Tempo, Krieg, Naturphänomene und bestimmte künstlerische Felder werden hier mit dem (wie Schiller formulierte) „gemischten Gefühl“ in Beziehung gesetzt.

 

In Our Centers of Existence

Die Performancegruppe In Our Centers of Existence, gegründet 2016 in Köln, hat sich im Rahmen der Springschool 2016 „How to love?“ am Institut für Kunst und Kunsttheorie im Workshop „How to touch?“ der in Köln lebenden israelischen Choreografin Reut Shemesh kennengelernt. Die Performerinnen kommen aus den unterschiedlichen Studiengängen Kunst, Ästhetische Erziehung und Intermedia und sind sich zunächst als „Fremde“ begegnet, die die Grenze zwischen Nähe und Ferne ausgelotet haben, auf der Suche nach dem Gemeinschaftlichen. Schwerpunkt ihrer Arbeit ist eine Rückbesinnung auf die körperliche Kommunikation, auf das Fühlen und Spüren des Ich und des Anderen, um jene Verbindungen und Gefühle im Raum wahrzunehmen, die sich einer sprachlichen Formulierung und dem Logos entziehen.

In Our Centers of Existence, Performance, 15 Min., 2016

CENTER OF YOUR EXISTENCE

In the center of our pure existences
We are travelling on our boats.
No acting, no intention, no rush

Just being.

Discovering the movements and feelings that emerge
When we come closer
To what we simply are
And not what we are meant to be.

Feeling our bodies. Feeling the others. Feeling the ground
and space.
Responding in our own languages
But never losing the one besides you
And behind you
Always offering a hand when there is need to it
Because we are all connected with invisible wires
In our pure existences.

 

mind.break.company

Das junge Kölner Kollektiv mind.break.company, gegründet 2013, beschäftigt sich in wechselnder Zusammensetzung und unter Einsatz verschiedenster Medien und Formate mit gesellschaftlich relevanten Fragestellungen. Die Mitglieder sind zumeist Studierende der Universität zu Köln aus den Bereichen Literatur-, Medien- und Musikwissenschaften. Kleinere Arbeiten konnten u.a. bei den Fünfzehnminuten-Festivals 2013 bis 2015 sowie beim Performancegarten (11.2.16, Neues Kunstforum) gezeigt werden. In der Spielzeit 2015/16 wurde die multimediale Theaterperformance „post:like:me“ an der Studiobühneköln realisiert (Gewinner des Uni-Regiewettbewerbs). http://mindbreakcologne.tumblr.com

Clothing Time I: The Caritas Dilemma Performance, Dauer: ca. 30 Min., 2016

Im Rahmen der SUBLIMA16 befasst sich die Performance der mind.break.company mit dem Problem der Nächstenliebe (Caritas) und des Mitleids. In Zeiten sich verschärfender globaler Armut und Wohlstandsunterschiede und angesichts der humanitären Krise rund um den Umgang mit Flüchtlingen sowohl an den Grenzen Europas als auch konkret im Inland, in der eigenen Stadt und Nachbarschaft stellt sich die Frage nach Nächstenliebe und der damit verbundenen Verantwortung zur Hilfeleistung in ganz direkter und drängender Weise. Wie groß muss das Leid sein, damit ich Mitleid empfinde? Ab wann bewegen mich meine Empfindungen und/oder moralischen Prinzipien dazu, selber einzugreifen und zu helfen? Hat man sich aber erst einmal zur Hilfeleistung entschlossen, stellen sich ganz andere Fragen: Wie helfe ich? Wie gehe ich mit meiner Verantwortung als Unterstützer*in um? Was und wie viel gebe ich wem? Wem helfe ich wie? Was verraten diese Entscheidungen über mich und meine kulturell-normativen Vorstellungen? Und schließlich: Wie viel Nächstenliebe ist genug Liebe? Wann werden sie für die Bedürftigen zur Last? Diese und weitere existenzielle Fragen werden in der Performance aufgeworfen. Die Zuschauer*innen werden zudem – über ihre eigene (Nicht-)Partizipation – zu einer Positionierung im Spannungsfeld zwischen Aktivität und Passivität, zwischen absurdem Humor und ernstem Anliegen, zwischen einem Mangel und einem Überfluss an (Nächsten)Liebe angehalten.

Raphael Di Canio

foto-portraitRaphael Di Canio, geb. 1990 in Köln; seit 2015 macht er seinen Master of Education in den Fächern Kunst und Germanistik an der Universität zu Köln. Er ist wissenschaftliche Hilfskraft am Institut für Kunst & Kunsttheorie und ehrenamtlich in der Flüchtlingsarbeit tätig. Inhaltlich beschäftigen ihn überwiegend soziale und kulturelle Fragestellungen und Problematiken, die er mittels Fotografie und Performance Art thematisiert. http://www.raphaeldicanio.de

imagine

Die letzten Stunden des Emil M., 2016; Soundinstallation/Audiowalk, Dauer: 27:54 Min., Loop

Mit Betreten der Rauminstallation begeben sich die Besucher*innen auf eine Spurensuche in das fiktive Köln im Jahre 2017. Die Welt steht kurz vor dem Untergang, in den Straßen herrscht Chaos und die Menschen fliehen aus der Stadt. In seinen letzten Stunden sucht Emil M. nach Ruhe fernab von all der Aufregung. Was er dabei findet, ist die Schönheit fast vergessener Momente, einer Welt, die es so schon bald nicht mehr geben wird. Mittels einer Ästhetischen Forschung sollen Emils Spuren für die Rezipient*innen nachvollziehbar gemacht werden. Der Gedenkraum erinnert an eine längst vergessene Welt. Eine Welt, frei jeglichen Unheils, das der Mensch über sie gebracht hat. Altarähnlich ausgestellte natürliche Fundstücke (Triptychon) und davor ausgebreitete Erinnerungen an Emil M. helfen den Rezipient*innen, das Gehörte lebhaft zu erfahren. Kann der_die Betrachter*in anhand des Audios und der Installation die Hintergründe aufdecken und die Spuren entschlüsseln? Emils Spuren können zusätzlich in Form eines Audiowalks in der Kölner Innenstadt nachverfolgt werden.

Der auditive Teil der Arbeit nimmt Bezug auf die Audiowalks Janet Cardiffs. Das Visuelle wird erweitert, Unerhörtes hörbar gemacht und Wahrnehmungsgrenzen zwischen Fiktionalität und Realität beginnen zu verschwimmen. Die Präsentation der Fundstücke lässt an Anna Oppermanns Konvolute erinnern, wobei die Anordnung der natürlichen Materialien von Herman de Vries Werken inspiriert ist.

Die Arbeit ist ein Lobgesang an die Schönheit der Welt, die trotz aller zerstörerischen Kräfte fortbestehen wird – mit oder ohne den Menschen. Durch Emils, vom nahenden Ende geschärfte, geradezu sublime Erfahrung, durchlebt der_die Zuhörer*in ein letztes Mal plötzlich entscheidend gewordene persönliche Erinnerungen, Naturerlebnisse und alltägliche Kleinigkeiten.

Ronja Eickmeier, Marlena Hoor, Sophia Steinbach

img_4460Ronja Eickmeier, geb. 1991 in Bretten; Marlena Hoor, geb. 1990 in Solingen; Sophia Steinbach, geb. 1993 in Bergisch-Gladbach. [Where] is this love? war der Titel eines Seminars, der die drei Performerinnen zu dieser Arbeit inspirierte. Alle drei sind Masterstudentinnen des Lehramts Sonderpädagogik im Fachbereich Ästhetische Erziehung. Im Rahmen des Seminars fanden sie auf einer künstlerischen Ebene das erste Mal zusammen. Mit ihrer Arbeit im urbanen Raum setzen sich Ronja Eickmeier, Marlena Hoor und Sophia Steinbach mit der Schnelllebigkeit und Anonymität von Liebe in der heutigen Gesellschaft auseinander. Aufgrund der unterschiedlichen und sehr individuellen Erfahrungen zum Thema Liebe, konzentrierten sich die drei auf einen wesentlichen Moment von Begegnung und erforschten den Blick. Erstmals arbeiteten die Performerinnen im Bereich urbane Performance und die Auseinandersetzung mit dem Medium Film und Video.

is-this-love

Is this Love?, 2016; Video einer Live-Performance, Dauer: 02:34 Min., Loop

Die Performance Is this Love? setzt sich mit folgenden Fragen auseinander: Was ist Liebe? Und wie entsteht sie? Bei dieser Schwerpunktsetzung nehmen die Künstlerinnen Abstand von einer rein romantischen Vorstellung von Liebe. Der Blick, etwas sehr Simples, fast Banales und doch so Starkes und Intensives, birgt so viel Ehrlichkeit und Aufrichtigkeit. Genug, um Liebe entstehen zu lassen?. Kurze, flüchtige Augenblicke gibt es viele, doch sie sind schon wieder vorbei, bevor man die Chance hatte, nach ihnen zu greifen, sie festzuhalten. Die Zeit ist ein wichtiges Gut, das man nicht an andere verschwenden möchte. Eben jener Zeitfaktor spielt in Is this Love? eine maßgebende Rolle. Die Zeit, die man sich nimmt, um sein Gegenüber wahrzunehmen, ihn oder sie neu zu entdecken und wirklich zu sehen. Den Blick so lange zu halten, bis man sich komplett im Anderen verliert, so intensiv, dass Raum und Zeit sich vermischen und auflösen, keine Rolle mehr spielen und im Hier und Jetzt ein gemeinsames Sein entsteht. Das Video ist ein bearbeiteter Mitschnitt einer Live-Performance in einer Kölner U-Bahn-Station.

Sarah Frerichs

sarahfrerichsSarah Frerichs, geb. 1992 in Leer (Ostfriesland), studiert derzeit Intermedia an der Universität zu Köln. Ihr künstlerisches Interesse liegt in der Konzeptkunst, in der die rein optische Qualität des Bildes selbst keine Rolle spielt, sondern die Aussage des Kunstwerkes im Fokus steht.

 

o.T., 2016; Fotografien

 

Welche emotionalen Regungen vermag ein Bild auszulösen, sobald man dieses in einen persönlichen Kontext setzt? Beeinflusst ein Bild unser Denken, Fühlen und Handeln? Entwickelt sich aus einer gemeinsamen, intensiven Zeit mit einem Bild eine Beziehung? Und inwieweit projizieren wir persönliche Erfahrungen und Erinnerungen auf jene Beziehung?

Diese fotografische Arbeit entstand im Rahmen des Seminars „Liebe zum Bild“ und ist eine Kooperation mit der artothek der Stadt Köln.
Für insgesamt zehn Wochen hat sich Sarah Frerichs ein Bild aus der artothek entliehen und eine Beziehung zwischen diesem und sich selbst inszeniert. Das Bild hat sie sich frei von jeglichem Wissen über die Bekanntheit des Bildes oder des Künstlers ausgesucht. Im Fokus stand einzig und allein der erste Eindruck. Auch im Laufe dieser Beziehung spielten Name des Künstlers, Titel des Bildes, Entstehungsjahr oder jegliche andere Informationen für Sarah Frerichs keine Rolle.

Die Beziehung hat die Künstlerin fotografisch dargestellt und dabei narrativ gearbeitet. Dabei sind im Laufe der zehn Wochen zehn Fotografien entstanden. Die unterschiedlichen Formate und Größen der Fotografien (10x13cm; 13x17cm; 15x21cm; 21x30cm; 18x24cm), verdeutlichen die Intensität und Bedeutsamkeit der Beziehung zwischen Künstlerin und Bild zum jeweiligen Zeitpunkt.

 

Vivienne Hampf

img_9622-sublimaVivienne Hampf, geb. 1992 in Bochum, aufgewachsen in Wipperfürth, studierte zwei Semester Ernährungs- und Lebensmittelwissenschaften in Bonn und wechselte 2013 nach Köln, um Kunst und Biologie auf Lehramt zu studieren; sie ist derzeit in den Endzügen ihres Bachelors of Arts. Im Laufe ihres Studiums fokussierte sie sich auf Installationen, Fotografie- und Videoarbeiten mit unterschiedlichen Thematiken.

ICH MACHE SCHLUSS MIT DER LIEBE. IN EWIGER, Interaktive Installation, 2016

Die Arbeit ist im Rahmen des Forschungskollegs AEIT.lab (2016) unter dem Semesterthema LIEBE2016 entstanden. In der digitalen Generation läuft ein Großteil der Kommunikation über Messenger-Dienste, E-Mails etc. ab, wodurch es alltäglich geworden ist, auch persönliche Gefühle per Smartphone zu kommunizieren. Dieses Phänomen ist die Grundlage der Installation. Die Arbeit eröffnet einen künstlerischen Raum, innerhalb dessen sich die Besucher*innen dem Thema Liebe stellen können. Sie verfassen Liebesbriefe nicht handschriftlich, sondern digital übers Smartphone; per Drucker gelangen diese Briefe in einen verschlossenen Plexiglaswürfel. Die Anonymität und die Einbettung in eine Installation sollen dazu einladen, Briefe an vergangene oder heimlich Angebetete zu richten. Mit dem Wissen, dass die Briefe die eigentlichen Empfänger*innen niemals erreichen, können Texte entstehen, die man in der Realität nie wagen würde abzuschicken bzw. für die es zu spät ist – auch eine Ode an die Liebe selbst ist möglich. Die gesammelten Briefe werden anschließend als Standardpaket an das Postfach 1008 geschickt. Fakt: Das Wiener Postamt 1008 mit Postfach 555 führt direkt in den Papierschredder. Die Sendungsverfolgungsnummer kann an die Besucher*innen verschickt werden. Die Installation bietet den Besucher*innen die einmalige Chance, durch Liebesbriefe das zu sagen, was sie schon immer einmal sagen wollten. Die Liebe als Motiv ist für uns alle allgegenwärtig und immer aktuell, gleichgültig wie oft sie thematisiert wird. In diesem Sinne: Kommt und schreibt!

 

Eva Hegge

bild_eva_hEva Hegge, geb. in Köln, Studium der Kulturwissenschaft, Kunstgeschichte und Germanistik in Leipzig und Aberdeen, M.A. 2009. Seitdem Arbeit für die Internationalen Kurzfilmtage Oberhausen, seit 2014 außerdem Lehramtsstudium, Universität zu Köln mit den Fächern Kunst und Deutsch. Ausstellungen/Festivals: 2015 Ausstellung Cosmo & Kramer, Videoarbeiten im Kunstraum Ortloff, Leipzig; Screening beim Kasseler Dokumentarfilm- und Videofest; 2016 Gruppenausstellung in der New School, Parsons, NY; NRW-Wettbewerb der Internationalen Kurzfilmtage Oberhausen.

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Slow & Even, Video, h.264, 7’40 min, Farbe, Sound, 2016

Die Autonomous Sensory Meridian Response (ASMR) ist ein Internet-Neologismus und bezeichnet ein emotionales „Kopfkribbeln“, das als angenehm und beruhigend empfunden wird. Dieses Kribbeln wird durch Sinnesreize ausgelöst, durch Berührungen am Kopf beim Friseurbesuch, bestimmte Geräusche (z.B. das Reiben von Händen), ruhige Stimmen oder eine nahe, persönliche Aufmerksamkeit durch eine andere Person. Auf Youtube gibt es über drei Millionen ASMR Videos, die das Kopfkribbeln hervorrufen wollen und dazu sehr regelmäßige und sehr langweilige Alltagstätigkeiten zeigen wie eine Zeitung durchblättern, jemandem die Haare bürsten oder ein Hemd bügeln. Die Videoarbeit Slow And Even nutzt dieses Material für eine Collage, die dem Rhythmus und der subtilen Poesie des Materials folgt: Ein Bett wird gemacht, ein Hemd wird gebügelt, eine Windschutzscheibe gereinigt, eine Arbeitsplatte geschrubbt, ein Text am Computer getippt. Der getippte Text hat eine Botschaft.

Alignments
Inspiration für diesen Found Footage-Film war die Arbeit Mutiny von Abigail Child (1983, 16 mm). Außerdem interessiert sich die Künstlerin für die Themen Anpassung, Ausrichtung, Nacheifern, Lernen, Scheitern, Rebellieren und Embarrassment, aber auch für die rhythmische Ebene, das Performative im Film, das Slapstick-Genre. Vielleicht geht es auch um Anpassung und Unterwerfung bzw. Konkurrenz des Menschen zur Maschine, das Sich-Auflösen des Menschen als Zentrum, der Mensch reduziert sich auf den ungeschickten Schüler, der trotzdem geliebt werden will wie alle anderen, bzw. der so versucht zu sein, wie es die (neue) Wirklichkeit erfordert. Das collagierte Material kommt aus IQ-Test-Videos, einem Dokumentar lm über eine Schweizer Dorfschule, einem Industrie lm von der BASF aus den 1950er Jahren, Youtube-Videos von Kindern, die Klavier spielen, Ballett tanzen, wie ein Pferd springen können, aus Tierfilmen und Sprachlernvideos.

Elena Huber

img_20161001_0002-1Elena Huber, geb. 1993 in Greven, studiert seit 2013 Sonderpädagogik an der Universität zu Köln. Vor einem Jahr wechselte sie vom Studiengang Ästhetische Erziehung zum Fach Kunst. Ihr künstlerisches Hauptinteresse gilt der zeitgenössischen Kunst, mit besonderem Schwerpunkt auf grafischem Design, Fotogra e und Video-Installationen. Thematisch beschäftigt sie sich in ihren Arbeiten mit dem Alltäglichen, welches sie versucht zu dokumentieren und in einen erweiterten Kontext zu bringen. elena-huber.tumblr.com

 

 

Deine Schnuersenkel sind auf habe ich gedacht. Fotografie, 2016

In der Fotoserie werden anonymisierte Darstellungen gezeigt, hinter denen sich Handlungen von Personen vermuten lassen. Es sind teils verzerrte, von Unschärfe gekennzeichnete Fotografen. Auf ihnen ist jeweils eine Aussage angebracht, die mit der Situation in Bezug gesetzt werden kann und diese sprachlich kommentiert. Meist sind es Gedankenfetzen der Personen, die sich hinter den Fotografen vermuten lassen. Dabei geht es um die Liebe im digitalen Zeitalter.

Liebe kann trotz des Zeitalters der Digitalisierung nicht nur in digitalen Sphären stattfinden. Die Sehnsucht nach Körperlichkeit lässt sich trotz Webcam und Co. (noch) nicht digital nachempfinden. Eine Nacht, ein paar Biere am Kiosk um die Ecke, Feiern, Gespräche – ein analoges Kennenlernen, wenn man so will. Die Fragmente eines Abends, der real erlebt und digital am Leben gehalten wird.

Lisa James

portrait-transparentLisa James, geb. 1993 in Langenfeld (Rheinland), hat 2016 einen Master of Arts mit den Studienschwerpunkten Kunst, Deutsche Sprache und Literatur sowie Bildungswissenschaften an der Universität zu Köln begonnen. Die mediale Form ihrer künstlerischen Arbeiten wechselt mit den Inhalten, die sie ausdrücken und vermitteln möchte. Im Rahmen der SUBLIMA16 stellt Lisa James eine Videoarbeit aus und verbindet diese mit im künstlerischen Arbeitsprozess entstandenen Malereien. instagram.com/die_kosmonautin 

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Social Love Videoarbeit im Loop, Malereien Mischtechnik auf Baumwollgrund, 2016

In ihrer Arbeit Social Love untersucht Lisa James die Genderrolle der Frau in sozialen Netzwerken. Hierbei vermischen sich alte und neue Formen der Darstellungsweisen: Die Femme fatale, wie sie als starke und attraktive Frau mit Waffen posiert, wechselt in die spielerische Selfie-Pose mit überhöhendem Snapchat Hundefilter. Die Frau inszeniert sich und wird inszeniert, sie bestätigt vermeintliche Klischees und widersetzt sich ihnen zugleich. Teils füllt sie das Bild alleine, woanders posiert sie mit einer Freundin oder zeigt sich in einer Liebschaft. Wer schreibt hier wem eine Rolle zu? Content-Speiser*innen sozialer Netzwerke, mit dem Smartphone kommentierende und selektierende Konsument*innen dieser vernetzten Bilderwelt oder gar die abgelichteten Modelle? Die Arbeit Social Love kommentiert nicht – sie untersucht lediglich, greift heraus und präsentiert eine Vielzahl von reduzierten, digitalen Zeichnungen, in Form einer Videoarbeit: Ein schwarzer, digitaler Pinsel zeichnet Striche, die sich zusammenfügen und wieder zerfallen. So entstehen und schwinden Fragmente der heutigen medialen Inszenierung der Frau, fügen sich zusammen und lösen sich gegenseitig ab. Sowohl die Videoarbeit als auch die Malereien thematisieren eine Intransparenz und zeitliche Abhängigkeit von kulturell typischen Darstellungsweisen.

Katarina Kloppe

Katarina Kloppe, geb. 1993 in Köln, derzeit Studium der Sonderpädagogik und Kunst an der Universität zu Köln, arbeitet bevorzugt mit Video und Fotografie, lässt allerdings auch häufig medienübergreifende Komponenten wie Papier oder ähnliches Material mit einschließen. Besonderer Fokus liegt bei all ihren Arbeiten auf der Oberfläche und deren Untersuchung: sowohl der Materialoberfläche als auch der Körperoberfläche. Letzterer wird besonders viel Aufmerksamkeit zuteil. Systematisch untersucht die Künstlerin innerhalb ihrer Werke den eigenen Körper, vor allem dessen Schwachstellen. In Fotografie und Video wird so kleinschrittig die gesamte verletzliche, vor allem aber verletzte Körperoberfläche untersucht und präsentiert. Die Grenze zwischen Exhibitionismus und Selbstliebe ist hier fließend. Inspirationsquelle sind vor allem die Arbeiten von Hannah Wilke, hier zeigen sich häufig ungeplante Parallelen.

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UNTITLED#7. Fotografie auf Spiegel (15x15cm)

Die Reihe Untitled#7 beschäftigt sich mit der Liebe zu sich selbst und dem Körper als Projektionsfläche. Angelehnt an die Intra-Venus Arbeiten von Hannah Wilke aus den Jahren 1992-93 beschäftigt sich die Arbeit mit dem Blick auf den kranken Körper, vor allem aber mit dem Körper als Projektionsfläche für das eigene Leiden, aber auch stellvertretend für das Leiden der anderen. Bilder der kranken Haut werden auf die nackte, gesunde Haut projiziert, um so die direkte Auseinandersetzung bzw. Konfrontation mit der eigentlichen „Leidensgeschichte“ anzustoßen. Der_die Betrachter*in wird Zeuge*in dieser Geschichte und der Auseinandersetzung. Durch den Spiegel wird der_die Betrachter*in gleichzeitig Protagonist*in der Arbeit und Akteur*in im Leidensprozess.

Anja Lomparski

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Anja Lomparski, geb. 1994 in Birkesdorf bei Düren, einer Kleinstadt nahe Köln. Nach dem Abitur lebte sie für ein Jahr in Paris. Danach begann sie ihr Bachelorstudium an der Universität zu Köln in Biologie und Kunst auf Lehramt für Gymnasium und Gesamtschule. Sie interessiert sich insbesondere für zeitgenössische Kunst, für Künstler*innen ihrer Generation, für die Post-Internet Art, Performance, Installation, Filmkunst und Fotografie. Sie selber arbeitet vielseitig mit traditionellen Techniken der Druckgrafik, Zeichnung und Malerei, experimentiert aber auch mit digitalen Medien, Fotografie und 3D-Animation. https://artetudes.wordpress.com

 

Digital Travel Experiences. Januar-Oktober 2016 Installation

Wir reisen viel mehr als alle vor uns. Wir inspirieren uns gegenseitig und dokumentieren fleißig jeden Schritt. Es finden sich nicht wenige It-Blogger*innen, hippe Hobby-Landschaftsfotograf*innen und All-around-the-World-Traveller auf Instragram und anderen Plattformen, um digitale Inhalte zu teilen. Sie posten atemberaubende Momentaufnahmen aus ihrem „geilen“ Jetset-Leben und lassen uns von fernen Ländern und exotischen Landschaften träumen. Eine Fülle von Bildern, die das Gefühl vermitteln, die halbe Welt bereisen zu können, wenn man nur den richtigen #hashtag eingibt. Eine digitale Reise sozusagen, raus aus dem Alltag, raus aus dem anhaltenden Regenwetter – in der Bahn oder am Schreibtisch: einmal kurz im Bildschirm versinken und sich gedanklich schon auf den nächsten Urlaub einstimmen. Die Intention der Künstlerin ist es aufzuzeigen, welch ein Privileg es ist, dass wir heutzutage solche Reisen ohne Weiteres unternehmen können. Im Bewusstsein dessen, dass leider nicht jeder diese Freiheit hat, soll die Installation dazu ermutigen, diese Möglichkeit (des Reisens) zu nutzen. Aber: Kommt die digitale Reise dem wirklichen Erlebnis überhaupt nahe?

Laura Müller

profilfoto1_buntLaura Müller, geb. 1989 in Hadamar, in Limburg aufgewachsen, Abitur 2009. Nach einem Work & Travel Aufenthalt in Japan begann sie 2010 ein Studium der Lehramtsfächer Kunst und Deutsch an der Universität Koblenz-Landau, Campus Landau. Im Zuge ihres Bachelors absolvierte sie ein Erasmus Semester an der Kunstfakultät der West University Timisoara, Rumänien; im Anschluss Masterstudium Kunst auf Lehramt in Köln, in dessen Rahmen die Arbeit forget_me_not entsteht. Während ihre bisherige künstlerische Praxis die Bereiche Druckgrafik, Zeichnung und Malerei umfasste, setzt sich die Künstlerin heute immer mehr mit zeitgenössischen Strömungen und den digitalen Künsten auseinander. Dabei fließen vorgefundene Materialien aus digitalen Archiven oder alte Fotos in ihre Arbeiten ein.

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forget_me_not. Stickerei und Fotografie auf Leinen, 2016

Die Arbeit forget_me_not bildet den praktischen Teil von Laura Müllers Masterarbeit. Dabei untersucht sie Künstlerinnen, die einer neuen feministischen Welle zugerechnet werden und in sozialen Netzwerken wie Instagram oder Snapchat in Erscheinung treten. Meist sind die Künstlerinnen mit ihren besten Freundinnen verträumt in ihren Schlafzimmern zu sehen, während sie in ihre Smartphones schauen oder Selfies machen. Die Künstlerinnen zeigen Haare an Beinen, Achselhöhlen und im Intimbereich und wehren sich so gegen allzu glatte Schönheitsideale, während andererseits die Fotos von einer mädchenhaften, pinken Ästhetik durchzogen sind; darüber hinaus geht es ihnen um Likes und Bestätigung. Der britische Kunsthistoriker John Berger konstatiert, dass der in der westlichen Kunst tradierte Blick auf den weiblichen Körper ein geschlechtsspezifischer sei: „Men look at women. Women watch themselves being looked at“. Der Textauszug, der dieses Blickverhältnis und schließlich die fortschreitende Objektifizierung von Frauen beschreibt, befindet sich auf den zehn großen Tüchern. Von Hand bestickt, werden so Assoziationen an die häufig den Frauen zugewiesene und teilweise noch heute belächelte textile Kunst geweckt. Die Bilder auf den Tüchern sind teils eigene Fotografien, teils Fundstücke aus der Kunstgeschichte oder Popkultur und liefern einen Querschnitt, der interessante Verbindungen zwischen den Motiven ermöglicht. Dabei wird bewusst die Optik von Instagram aufgenommen und ein haptisches Archiv erschaffen.

Lina Pauli

Lina Pauli, geb. 1994 in Iserlohn im Sauerland, studiert seit 2013 an der Universität zu Köln Kunst und Deutsch auf Lehramt für Gymnasien und Gesamtschulen. Ursprünglich war ihr künstlerisches Schaffen besonders in der Grafik zu verorten, im Studium entwickelten sich zudem neue Schwerpunkte in den Bereichen Plastik und Film. In ihren Arbeiten setzt sie sich mit dem Menschen und seinem Körper auseinander. Dabei thematisiert sie die Verletzlichkeit und Vergänglichkeit des Menschen, das Verhältnis von Körper und Geist und fragt nach einer Substanzialität des Selbst. Im Rahmen der SUBLIMA16 untersucht sie die Selbstliebe als Voraussetzung, um andere lieben zu können und sich lieben zu lassen; gleichzeitig verweist sie auf die Schwierigkeiten bei Selbstfindungsprozessen.

linapauli

ICH BIN (K)EIN PONY Video, 03:26 Min., 2016

Sich einem anderen Menschen zu öffnen, ist ein sehr sensibler Prozess, der unmittelbar mit Selbstvertrauen und Selbstakzeptanz verbunden ist. Eine andere Person zu lieben, heißt, ihr und sich selbst vollends zu vertrauen, sich selbst lieben zu können und zu wissen, wer man ist. Wie soll dies aber möglich sein, wenn man nicht weiß, wer man ist? Auf eine skurrile Weise wird in der Arbeit die Notwendigkeit einer Selbstdefinition, die zwanghaft von außen gefordert wird, hinterfragt. Die im Film behaupteten Wahrheiten führen zu einer Spannung zwischen Realität und Absurdität. Das Phänomen der Selbstliebe und der verzweifelte Versuch einer Selbstergründung stellen zentrale Themen des Films dar. Auf der Suche nach dem Selbst führen äußere Einflüsse zu absurden Selbstaussagen. Obwohl es krampfhaft versucht, zu sich zu finden, kommt das verwirrte Individuum – nach einem langen, inneren Kampf – zu einer Fremdaussage und zwängt sich in eine „fremde Selbsterkenntnis“, sodass kein Platz für eine echte, aufrichtige Selbstliebe bleibt. „Für mich spielen, besonders in der Zusammenarbeit mit Jugendlichen, Prozesse der Persönlichkeitsentwicklung, Selbstentdeckung und vor allem der Selbstliebe eine wichtige Rolle. Diese werden jedoch nicht selten von Fremdbestimmungen, Selbstdarstellungs- sowie Selbstinszenierungstrends geprägt, die nicht auf das eigentliche Individuum zurückzuführen sind.“ (Pauli)

Selina Sandmöller

selbstportrait-selina

Selina Sandmöller, geb. 1995 in Iserlohn, studiert seit 2015 Intermedia an der Universität zu Köln. Ihre künstlerischen Schwerpunkte liegen im Bereich Bildende Kunst, hier vor allem in der Malerei. Zunehmend beschäftigt sie sich mit Fotografie und den Potenzialen digitaler Medien. Dabei interessiert sie im Besonderen der menschliche Körper und dessen Darstellung in Fotografie, Video und Performance. In ihrer künstlerischen Praxis folgt sie dem Motto, dass es genug schöne Bilder in den Medien um uns herum gibt und Kunst deshalb ungewöhnlich oder unangenehm sein muss – auf inhaltlicher oder visueller Ebene – um etwas zu bewegen und in Erinnerung zu bleiben.

Werkbild Face the Feeling (Selina)

Face The Feeling. Fotografie, 2016

Wie fühlt es sich an, wenn der Frühling wiederkehrt? Oder wenn man sich nicht traut, seine Meinung zu sagen? Diesen und anderen Fragen ist Selina Sandmüller auf den Grund gegangen. In 20 fotografischen Selbstportraits stellt sie über visuelle Metaphern die unterschiedlichsten Gefühle mithilfe von Mimik, Farben und verschiedenen Materialen dar, die sie an dem persönlichsten Ort platziert, den der Mensch zu bieten hat: das eigene Gesicht. Alle dargestellten Gefühle hat die Künstlerin persönlich erlebt, manche täglich, manche erst einmal. Die Methode der Selbstinszenierung erleichtert es ihr, künstlerisch authentisch zu sein und mit den Betrachter*innen Kontakt aufzunehmen. Außerdem bedient sie sich performativer Strategien, greift dabei gerne auf Naturprodukte wie Brennnesseln, Fleisch und Nacktschnecken zurück und verlässt so ihre Komfortzone. Medial überrepräsentierte Gefühle und Stereotypen werden vermieden und stattdessen ein differenziertes Gefühlsspektrum aufgezeigt, das solche Emotionen berücksichtigt, die unangenehm sind und üblicherweise vor anderen versteckt werden. In der Arbeit geht es um die Liebe zur Authentizität und zum imperfekten Selbst sowie um das komplizierte Zusammenspiel von Hass und Liebe in unserer Gefühlswelt.

Lara Schäffer

Profilfoto Lara SchäfferLara Schäffer, geb. 1992 in Witten, aufgewachsen in Dortmund. Nach der Allgemeinen Hochschulreife 2011 Beginn eines Medizinstudiums mit dreimonatigem Pflegepraktikum in Graubünden, in der Schweiz. 2013 folgte ein Wechsel auf ein Lehramtsstudium für Gymnasien und Gesamtschulen an der Universität zu Köln mit den Fächern Biologie und Kunst. Ihr kunstwissenschaftliches Interesse liegt in der Forschung von Reflexionsprozessen des Bewusstseins in Zusammenhang mit einem Kunstwerk. Mit der Annahme, dass Bilder neuronale Strukturen beeinflussen und eine Selbstwahrnehmung schärfen können, entwickelt sie Collagen und Zeichnungen aus meist wenigen grafischen Elementen und Textzeilen, die sie teilweise in Tiefdrucke transformiert. Ausgehend von inneren Auseinandersetzungen um Strukturen der Persönlichkeit und des Subjekts in Wissenschaft und Kunst, nutzt sie Darstellungen des Gesichts zur Visualisierung innerer Befindlichkeiten. Das Sublime liegt hier verschlüsselt in der Immaterialität psychischer Prozesse.

 

in-mir-ist-ich

In mir ist Ich, Strichätzung auf weißem Karton, 21,0 x 29,7 cm

Kann man am Leib die Seele ablesen? – Eine Strichätzung zur Erarbeitung dieser metaphysischen Fragestellung. So stünden das Äußerliche und das Innerliche in einem unmittelbaren Zusammenhang; das Innere möglicherweise als Fortsetzung des Äußeren. In dieser Arbeit konfigurieren die fragmentarisch angeordneten Gesichtspartien motivierte Zeichen eines unsichtbaren Inneren zur sichtbaren Gestalt. So opak seine materielle Oberfläche auch anmuten mag, sie öffnet sich dem kundigen physiognomischen Blick, wird transparent und entbirgt einen Kern, den Konvention und Verstellung nur temporär zu verhüllen vermögen. Die Feinstofflichkeit dieser Thematik wird durch feine Linien, Überlagerungen und scheinbar freien Flächen verstärkt.

Ein abstrahiertes Formenensemble mit Spuren als Hinweis auf innere Befindlichkeiten. Inspirationsquelle sind u.a. Platon, Martin Heidegger, Byung-Chul Han, Eva Illouz, Thomas Metzinger, Alberto Giacometti, James Lee Byars, Hannah Höch und Wangechi Mutu.

Boris Schmitz

14440895_1268283999871009_1652272441414308416_nBoris Schmitz, geb. 1993 in Düren, Künstler und Illustrator, derzeit Masterstudium an der Universität zu Köln in Kunst und Deutsch auf Lehramt für Gymnasium und Gesamtschule. Seit mehreren Jahren stellt er seine Zeichnungen „Continuous Lines“ online. Sein Interesse gilt dem Widerstreit zwischen dem Analogen und Digitalen, der im Netz ausgefochten wird. Dem digitalen Bilderstrom, dem wir täglich ausgesetzt sind, stellt er seine Einlinien-Zeichnungen entgegen. Seine Kunst ist post-konzeptionell; er fühlt sich der Bewegung der Post-Internet Art zugehörig.
borisschmitz.tumblr.com instagram.com/borisschmitz facebook.com/borisschmitzart

boris

Wie wird Liebe digital inszeniert? Paare laden Fotos ihrer Beziehung ins Internet, zeigen sich ihren Friends und Followern und wollen möglichst viele Likes. In der Arbeit Drawings of Contemporary Love – Evaluated werden Zeichnungen, die der Künstler ins Internet stellt, neben der Anzahl ihrer Likes, Reblogs und Kommentare ausgestellt. So entsteht aus älteren Werken ein neues Werk, das extra für die SUBLIMA16 konzipiert wurde. Inhaltlich verweist die Arbeit auf die Dominanz von Heteronormativität, die es trotz der steigenden Sichtbarkeit an LGBTQ+ Themen (#Ehefüralle, #OrlandoStrong) gibt.

Aus der Gegenüberstellung von Zeichnung und Zahl entstehen Bewertungen. Besucher*innen der Ausstellung haben die Chance, Einfluss auf diese Bewertung zu nehmen: Neben den Bildern sind QR-Codes angebracht, die es eingescannt ermöglichen, das Bild zu liken, sharen oder zu kommentieren; die zusätzlichen Anmerkungen werden im Werk übernommen.

Die Arbeit setzt sich auf der einen Seite aus gerahmten Zeichnungen und auf der anderen Seite aus ausgedruckten, vergrößerten Versionen von eingescannten Zeichnungen zusammen. So verkompliziert sich zusätzlich der Aspekt der Bewertung und die unterschiedliche Hängung der Werke nebeneinander unterstreicht dies. Was ist original und erhaben? Was ist reproduziert und wertlos? Was erfährt eine Adelung im Rahmen? Was wird nur abgestellt oder auf die Wand gepinnt? Letztendlich: Was ist sublim?

Jannik Schulz

portraitJannik Schulz, geb. 1991 in Düsseldorf. Nach dem Abitur im Jahre 2010 versuchte er sich sowohl in sozialen als auch in musisch-kreativen Berufsfeldern. Unter anderem absolvierte er ein Freiwilliges Soziales Jahr als Integrationshelfer, nahm Schauspielunterricht und schloss 2015 eine Ausbildung zum Kaufmann für Marketingkommunikation ab. Seit dem Wintersemester 2015/16 studiert er Intermedia an der Universität zu Köln. Sein künstlerisches Interesse gilt Künstler*innen wie John Baldessari, John Cage, Yoko Ono, Peter Piller oder Lawrence Weiner. Dabei versucht er in seiner Arbeit, ganz im Sinne von Boris Groys, eher kritisch als kreativ zu sein. Thematisch stehen Fragen des Alltäglichen im Mittelpunkt seines Interesses.

 

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Archiv2016 – What is Love? Website, 2016

Liebe ist so vielseitig und kann so viele Formen annehmen, dass es beinahe unmöglich ist, sie eindeutig zu definieren. Versucht man es trotzdem, sieht man sich einer Fülle an Informationen gegenübergestellt. Die Masse an Meinungen, Theorien und Sichtweisen erzeugen ein omnipräsentes Grundrauschen, welches es unmöglich macht, alles zu einer exakten Definition zusammenzufassen, geschweige denn, sich eigene Gedanken zu machen.

Diese extrem wachsende Daten- und Informationsmasse und der dadurch entstehende Lärm blockiert unser Denken, verstopft unsere Synapsen. Diesen Gedanken greift Archiv2016 auf. Entstanden ist jedoch kein herkömmliches Archiv, das sich dem Bedürfnis nach Ordnung und Erinnerung unterwirft. Vielmehr ist Archiv2016 eine auditive Forschungsplattform, die, gespeist aus einer Vielzahl von Theorien, Ansichten und Meinungen zum Thema Liebe, unsere informationsüberflutete Situation überspitzt erlebbar macht. Dabei sind die Rezipient*innen keine reinen Betrachter*innen. Sie hören, forschen und denken – so die Handlungsanweisung. Als Forschungsinstrument dient eine tablettoptimierte Offline-Website, präsentiert auf einem iPad mit angeschlossenem Kopfhörer. Das Tablett ist in einem Pappsockel (90cm/32cm/27cm) integriert und durch einfaches Berühren des Bildschirmes ansteuerbar. Nicht sichtbar hinterlegt sind die zahlreichen Audiodateien zum Thema Liebe, die in einer Endlosschleife abgespielt werden. Berührt man den Bildschirm an einer beliebigen Stelle, werden die dort hinterlegte Audiodatei lauter und alle anderen Dateien leiser abgespielt.

Jakob Sponholz

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Jakob Sponholz alias Johnny Mouse, geb. 1992 in Köln, wuchs in einer Kleinstadt am Niederrhein mit der Sprühdose in der Hand auf. Während seines Studiums in Köln tauschte er Sprühdose gegen Kamera aus, wurde zum Weltenbummler und bereiste in neun Monaten 10 Länder auf drei Kontinenten. Für die gezeigten Arbeiten beschäftigte er sich intensiv mit der Vielfalt von urbanen Lebensräumen und den Eigenschaften von Wohnräumen, indem er sich für einige Zeit in der Kölner Studentenszene treiben ließ. http://johnny-mouse.com

 

Schöner Wohnen. Von der Heterogenität urbaner Lebensräume Fotografie, 2016

In seinem Bachelorarbeitsprojekt Die Heterogenität urbaner Inneneinsichten – eine fotografische Annäherung beschäftigt sich der Fotokünstler Jakob Sponholz mit der Vielfalt von Wohnsituationen und Wohnkonzepten. Er bildet Lebensräume ab und portraitiert auf diese Weise die Menschen, die sie gestaltet oder erschlossen haben. Dabei untersucht er Strategien der „Verortung“ und thematisiert das Verhältnis von Mensch und Architektur oder Design. Ob es Omas Couch, das von dem Vater eigenhändig improvisierte Bett oder das Einhorn neben dem Selfiestick ist: Seine Bilder erzählen Geschichten.